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Hannes90

Update: 20 Aug 2017

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Wie kommt man dazu ein Flugzeug zu Bauen?


Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen steckt latent in vielen von uns.



Für einige Jahre versuchte ich auf diese Weise zu fliegen. Da meine Arme zu kurz sind, verlief der Gleitwinkel dabei fast vertikal.
Versteht mich nicht falsch: “ Fallschirmspringen ist das Höchste der Gefühle, aber nur ein kurzes Vergnügen ”.
Wer länger fliegen möchte braucht Flügel.




Während meiner Dienstzeit als Luftfahrzeugtechniker bei der DO 28 Flotte ”Schinderhannes Air-Lines” des Pferdsfelder Militärflugplatzes (EDSP) bin ich erstmals einem Homebuilder begegnet. Am Beispiel seiner Vari-Eeze erklärte mir Ingo Brand, dass der Bau eines Experimentalflugzeuges auch für ”Normalsterbliche“ unter noch vertretbarem finanziellen und sehr hohem zeitlichen Aufwand durchaus möglich ist.

Nach dem Motto

           ”Für das Können gibt es nur einen Beweis - das Tun”

entschied ich mich für den Zeichnungsnachbau einer ”Cherry” BX-2.


Erste Schritte zum eigenen Fluggerät:

  • Erwerb eines Zeichnungssatzes mit Lizenz ”Cherry” BX-2
     
  • Eintritt in die OUV ”Oskar-Ursinus-Vereinigung” www.ouv.de (Verein zur Förderung des Eigenbaues von Luftfahrtgerät e.V.). Die OUV bietet fachkundige Beratung zum Eigenbau und erstellt insgesamt 3 Gutachten zum Bauprojekt, die die Zulassung beim LBA (Luftfahrt-Bundesamt) nach §41 LuftGerPO ermöglichen.
     
  • Benennung eines Prüfers KL 1 und Anmeldung des Bauprojektes beim LBA zur Erteilung einer Bauvorhabennummer.
     
  • Einrichten einer geeigneten Werkstatt mit Heizung (Auch Wohnzimmer wurden schon zum Bau genutzt).
     
  • Materialeinkauf und schon geht´s los!



Beim Zeichnungsnachbau werden keine Kits verwendet. Fast alle benötigten Teile werden selbst hergestellt.




Einige Aluminiumteile der ”Cherry”




Drehbank




Für Lager und Seilrollen werden auch Phenolharzplatten verarbeitet.


 

Beschläge, Gabelköpfe, Felgenteile ...




Arbeiten an meiner Fräsmaschine




...




Stahlteile (vorwiegend CrMo)




Hydraulische Bremse




Rumpfrohbau in der Helling (Birken- und Okumesperrholz)




Rumpf mit Flügelstummeln und Einziehfahrwerk




Flügeltrennstelle und Fahrwerk




Tragflächen




Seitenleitwerk im Rohzustand




Höhenruder im Rohzustand




Belastungstest mit 1820 kg (Durchbiegung am Außenflügel 85 mm)




In 2001 wurde ich für 4 Jahre als Verbindungsoffizier der Luftwaffe nach Hill, AFB Utah / USA versetzt.
Das Cherry - Projekt ging natürlich mit...




Unterstützung durch meine Tochter Hanne beim Zusammenbau




... in der Garage ...




Vor Jahren, bevor ich die Flügel geschlossen habe, baute ich (ca. 75 cm von Rippe C) einen weiteren Verankerungspunkt
(wie den am äußeren Ende des Flügelholms) ein, der es mir ermöglichen sollte, die 30 kg leichte Tragfläche alleine montieren
zu können. Der Griff liegt bewusst nicht im Flächenschwerpunkt um das Einstecken zu erleichtern. Es funktioniert sehr gut!!!


  

Den Griff auf der Oberseite, einige Scheiben und Gummis dazwischen und eine Flügelmutter M8 unten. Ich habe in alle Verankerungspunkte Alurohre 10/8 eingeleimt um das Holz vor Feuchtigkeit zu schützen.




Seitenansicht




BMW R1100S Motor (98 PS) mit Hirth G40 Getriebe



Details des Motoreinbaus sind unter - BMW Motor -



Der SR 3000 / 3 Propeller ist ein 3 Blatt Constant Speed Propeller von www.woodcomp.cz.
Daten: Durchmesser 170 cm, Blattverstellbereich +25° bis -22° für Schubumkehr,
max. Drehzahl 2650 mit elektronischem Regler, Preis (Mai 2004) 2580 Euro.




Bau der Cowling





Formgebung




Cowling (Details zu den Lufteinlässen - siehe BMW Motor )




Cherry von rechts




Cherry von vorne




Cherry von hinten





Tragflächenübergang mit Hauptbolzensicherung




Hauptfahrwerkschacht


  Movie eines Fahrwerktests (.MPG)






Das EAA Chapter 58, Ogden/Utah hält monatl. Treffen ab. Als Mitglied konnte ich an einem
“Project Patrol Day” meine Cherry vorstellen.. 




Wie habe ich den besten Zugang aller Seiten zum Schleifen?
Ich habe einen Tag geopfert mir eine Cherry - Drehvorrichtung zu bauen.





So kann ich die Cherry in jedem beliebigen Winkel fixieren.




An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei Leopold Beham (OE-CLB) aus Österreich bedanken, der mir schon
mehrfach sehr hilfreiche Bautips und -anleitungen per Email gesendet hat. Da es hier in den USA keine Cherrytreffen gibt,
ist diese Internet-Unterstützung sehr hilfreich.

Von Leopold habe ich auch den Tip geringe Mengen Aerosil (von Degussa) unter die Epoxy-Micro-Spachtelmasse zu mischen. Aerosil verbessert die Fließeigenschaften ganz erheblich und erleichtert die Arbeit sehr.

Die Variante die Masse erst einmal mit einer Zahnspachtel aufzutragen habe ich bei Bart & Henk´s Europa-page entdeckt.
Das spart Schleifarbeit und Material.




Schleifen, schleifen, schleifen ...




Noch die beiden Flügel schleifen und die Heckverkleidung bauen, dann sind alle Teile fertig für den Grundierfüller.
Wird auch langsam Zeit, der feine Staub verteilt sich im Haus und meine Frau schreibt “Fluchzeug” schon mit “ch”.




Transport zum Lackieren. Erneut hilft mir David Gardiner. 




Endlich, die Cherry ist beim Lackieren und ich nutze die Zeit um in der wunderschönen “Rocky Mountain Szenerie”
Flugstunden bei meinem Fluglehrer Rand (links) zu nehmen. - Etwas unüblich - ich habe zunächst gebaut und fliege erst jetzt. 




Beim Lackieren der Cherry hat Kenny gute Arbeit geleistet. Die Wendevorrichtung hat sich auch hier als sehr hilfreich erwiesen.




Die Cherry ist wieder im Haus und wird nun endgültig zusammen gebaut. Das Kennzeichen ist hier nur eingeblendet.




Während einer Cross Country tour durch die USA haben mich Ueli Christen und sein Neffe Martin mit der Velocity
aus Florida besucht. Nachdem ich eine Runde mit Ueli geflogen bin :-)), war ich überzeugt, dass 175 kts (Reise)
eine angemessene Geschwindigkeit ist dieses weite Land zu erkunden.




Nach und nach kommt’s zusammen...




Erster Standlauf - Super!!!




Wenige Tage vor der “Übersiedlung” nach Deutschland - da wir 4 Jahre in Utah wohnten ist das zollrechtlich
kein Rückumzug mehr - habe ich die Cherry noch einmal komplett montiert.





Den Umzug hat die Cherry gut Überstanden. Ich hatte einen G-Zähler eingebaut um Rückschlüsse auf den Umgang mit den Containern ziehen zu können.
Obwohl diese empfindlich auf Stoßbelastungen reagieren, sind nur sehr geringe Lasten aufgetreten.




Mit fachlicher Unterstützung von Dr. Helmut Bücker (Cherry, D-ETHB) und den aktuell gültigen Formatvorlagen von Peter Holland (Pulsar XP, D-EPJH) habe ich meine Dokumentation (Flug- und Wartungshandbücher, Bodenerprobungsprogramm...) fertiggestellt und wie man sieht das Kennzeichen D-EWSK angebracht.


Zurückgeworfen haben mich schlechte Nachrichten von Andreas, an dessen BMW-Breezer hatte sich mehrfach die Fliehkraftkupplung von Eaglesworld zerlegt, die auch ich gekauft hatte.

Mittlerweile habe ich mir bewährte Teile bei Wilfried Bleidiesel (www.takeoff-ul.de) gekauft.
Details hierzu unter BMW Motor / Getriebe.




Nach Fertigstellung des Anhängers ging es noch ohne Tragflächen zur Tankstelle.
In 5 Liter - Schritten voll tanken (105 Liter) und dabei die Anzeige kalibrieren.

Bei den darauf folgenden ausgedehnten Bodenläufen hatte sich herausgestellt, dass meine Variante der Motorkühlung nicht
ganz ausgereift war. Die Öltemperatur stieg bei höheren Drehzahlen auf weit über 130°C. Damit waren Modifikationen an Cowling, Zylinderkühlluftführung und Ölkühler notwendig (siehe BMW Motor / Motorkühlung) .


Nun, dieses Problem ist gelöst und es wird Zeit den Flugplatz aufzusuchen...





Da ich an diesem Tag der Einzige auf dem Flugplatz war, hatte ich Gelegenheit die Cherry komplett alleine zu montieren und wieder zu verstauen. Das funktioniert sehr gut. Lediglich das Handling der großen Flächen hat bei Wind seine Tücken.




Nein, der Flieger hat noch keine Flugerlaubnis... das sind nur Rollversuche...





Zwischendurch ein sehr interessantes Treffen mit 4 Holländischen BMW-Cherry Enthusiasten. Im Bild 2 (v.l.n.r.)
Jan Hermsen (PH-AMJ - im Bau), Andre Gremmen (PH-TBJ- im Bau), Berry Schoenmakers (PH-YCM) und
Bart Kroes (PH-OOY). Das sollten wir wiederholen!




Als letzten Punkt der Bodenerprobung habe ich die Cherry gegen mein Auto antreten lassen...
Es gab keinen Gewinner, aber das Zugkraftmessgerät hat genau 2000 N (204 kg) ermittelt.


Damit ist die Bodenerprobung abgeschlossen, mein Prüfer, Herr Möller www.flugzeugwerft.com hat die Abnahme der Cherry abgeschlossen und ich werde die komplette Dokumentation zur Prüfung und Erstellung des 2. Gutachtens an den OUV Gutachter Dr. Ing. Bernhard Hinz senden. Wenn alle Unterlagen vorliegen, erfolgt die Freigabe zum Erstflug durch das Luftfahrt-Bundesamt.

Die Fluggenehmigung vom Luftfahrt-Bundesamt ist eingetroffen!

Es hat viel länger gedauert als ich erwartete. Das lag jedoch daran, dass ich nicht alle erforderlichen Unterlagen eingereicht hatte. Eine Experimentalzulassung ist eben keine Routinesache... +Checkliste+

Was lange währt wird endlich gut...




Am 10 November 2006 war es soweit, bei gutem Wetter habe ich in Hangelar den ersten Flug mit meiner Cherry D-EWSK unternommen. Sie fliegt sich super!!! Alois Steiner war so freundlich mich mit seiner OE-CST zu begleiten, wodurch diese Bilder möglich wurden.

Der Flug (46 Min.) verlief sehr gut!

Damit ist nach vielen Jahren (mit Unterbrechungen) der größte Teil der Bauphase abgeschlossen, wodurch sich die Fortschreibung dieses Projektes in die Rubrik Cherry fliegen verlagern wird...



Resümee:

1. Die Baustunden für meinen Flieger habe ich nicht gezählt -> ca.5000 +.

  • Flugzeugbau für sich ist eine sehr belohnende und sinnvolle Beschäftigung - den Eigenbau zu fliegen ist ein ganz besonderes Vergnügen.

2. Die Baukosten (Material) der D-EWSK habe ich exakt ausgerechnet > Summe in Euro

  • Gut 40 % der Summe sind Instrumente und Besonderheiten, die in dem Umfang nicht zum Fliegen gefordert / notwendig sind.
  • Max Brändli sagt: “Bau nach Plan, sonst wird der Flieger schwerer und teurer.” - Max hat Recht!
  • Auch den Grundsatz, dass ein Flugzeug nicht dann optimiert ist, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann, habe ich zugunsten des Komforts bewusst etwas vernachlässigt.

3. Die technischen Daten meiner BMW-Cherry werde ich nach der Flugerprobung hier einstellen.



An dieser Stelle möchte ich mich für die Emails von Interessenten aus vielen Ländern rund um den Globus bedanken, die belegen, wie klein die Welt durch das “www” geworden ist.



  
Bestellung einer Cherry-Baumappe mit Lizenz unter www.bx-2.de




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